Ein Wort des Vorsitzenden zum Thema Spenden

Was passiert eigentlich mit den Spenden und Mitgliedsbeiträgen? Warum akzeptieren wir überhaupt Spenden und erheben Mitgliedsbeiträge?

Kürzlich kam mir Unverständnis zu Ohren, warum wir „um Geld gebeten“ haben. Zum Beispiel beim Aufruf für Sally oder die Erwähnung von Spenden im Schlappi Artikel. Mir persönlich fällt es auch immer schwer, Leute um Geld zu fragen, denn man will ja nicht nerven.
Es hieß, wir sollten doch einen Nebenjob machen, wenn das Geld nicht reicht.

Ich möchte da mal eine genauere Aufstellung machen.

Von sämtlichen Einnahmen die wir seit der Gründung hatten, wurde der erste Betrag ausgegeben für unseren Flyer. Dieser muss gescheit aussehen, vorher hatten wir einen aus dem heimischen Drucker, in schwarz-weiß und optisch nicht ansprechend. Die Kosten waren recht übersichtlich.

Dann kam der Spendenaufruf für Sally und sämtliches Geld was da reingekommen ist und noch da war, ging an den Lebenshof PAWS, der die Rechnung von über 500 Euro bezahlt hatte, nun aber nicht wusste, wie er Heu und Stroh kaufen sollte. Wir fingen also quasi bei Null an. Zum Glück hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch keine eigenen Pflegetiere.

Dann gründeten wir die Ortsgruppe Blaubeuren und nahmen Schlappi auf. Untersuchungen, Kastration und Einrichtung waren schnell ein paar hundert Euro, dazu kommen noch vier weitere Kaninchen, um die wir uns kümmern. Das Baby Kaninchen (das mittlerweile 15 Wochen ist) hätte nicht überlebt. Auch hier sind Kosten entstanden, für die niemand sonst aufkommen möchte. 2 Gefährten für Schlappi, für die wir insgesamt knapp 500 km gefahren sind, waren zwar „umsonst“ und wurden nur aufgenommen, weil die Besitzerin direkt eine Patenschaft abgeschlossen hat und wir viel Zubehör für einen kleinen Preis dazu bekommen haben, verursachen aber trotzdem Kosten, die nicht über die Summe der Patenschaft gedeckt sind.
Unsere Einnahmen gehen fast ausschließlich für den Tierarzt drauf, einzige Ausnahme ist eben der Flyer.
Und eigentlich wollen wir ja irgendwann den Lebenshof errichten. Dafür muss natürlich Geld her, denn so ein Hof kostet eine Menge Geld. Aber damit könnten wir etlichen Tieren helfen, die wir jetzt mangels Kapazitäten nicht aufnehmen können (wir helfen dann aber so gut es geht, eine Unterkunft zu finden).

 

Die Notarkosten wurden uns gespendet, ebenso wie das Postfach.
Website, Spendendose und viele andere Kleinigkeiten habe ich von meinem privaten Geld bezahlt. Spritkosten können zwar geltend gemacht werden und zumindest würde es diese pauschal wieder geben, bisher hat aber noch nie jemand danach gefragt. Auch das Futter für die insgesamt 5 (teilweise 6) Kaninchen bezahlen wir vom privaten Geld. Material für Außen- und Innengehege, Transportkörbe gab es auch nicht umsonst.

Natürlich könnte ich einen Nebenjob machen, immerhin arbeite ich nur in Teilzeit. Ich arbeite aber mit Absicht Teilzeit, da Vereinsarbeit zeitintensiv ist. Das ist nicht nur das Füttern und mal zum Tierarzt fahren, das ist auch der ganze rechtliche Teil dahinter und man darf heutzutage auch die sozialen Medien nicht vergessen. Dazu kommt auch eine Menge Zeug, das man mal eben nicht so sieht, wie z.B. Recherche. Und natürlich wollen die Tiere nicht nur gefüttert werden sondern auch ausgemistet. Darüber hinaus sind die Artikel auf der Website überwiegend von mir, ebenso wie das Layout. Das ist nicht mal eben in 5 Minuten gemacht. Ich habe das Außengehege fast alleine gebaut, ebenso wie ein Innengitter. Dafür alleine gingen zwei komplette Wochenenden drauf. Mit einem Nebenjob hätte ich diese Zeit nicht mehr, ich müsste also jemanden bezahlen, dass er solche Dinge baut und Tiertaxi spielt,

Würde ich nur den gesetzlichen Mindeslohn von derzeit 8,50 € nur für meine Arbeit ansetzen, die ich für den Verein leiste, käme ich auf circa 15 Stunden in der Woche (mal mehr, mal weniger, wenn z.B. so eine Fahrt von 500 km ansteht habe ich 10 Stunden schon an einem Tag voll) wir wären also bei 127,50 Euro Wochenlohn. Nur für mich und im Durchschnitt. Unser zweite Vorsitzende, der die Website mit Grafiken versorgt und den Flyer gestaltet hat, macht dieses ebenso kostenlos für uns. Auch er kommt locker auf 10 Wochenstunden im Schnitt. Und das sind nur Tätigkeiten, die man wirklich in Zeit bemessen kann. Wir bekommen dafür kein Geld, wir wollen dafür kein Geld. Deswegen nennt man das gemeinnütziger Verein und Ehrenamt. Wir sind nicht so groß wie z.B. Peta, ARIWA oder der WWF, bei uns zählt wirklich jeder Euro. Deswegen bettele ich aber nicht um Geld, entweder unsere Arbeit überzeugt die Leute uns zu unterstützen oder sie tut es nicht. Leider muss man die Menschen aber hin und wieder darauf hinweisen, dass auch wir nichts geschenkt bekommen.

Ich finde es einfach ungerecht unserer Arbeit gegenüber, wenn man sich hinstellt und sagt „Bevor ihr andere um Geld bittet, macht doch einfach einen Nebenjob.“

Tut mir leid, dass dies nun eher persönlich wurde, etwas, das ich immer von dieser Seite fernhalten möchte. Dieses Thema geht mir nur ziemlich nah. Ich hoffe, ich muss nicht noch öfter solche Beiträge verfassen. Es ist ja auch toll, dass man uns unterstützen kann, ohne dass man auch nur einen Cent ausgeben muss.

Marco Golüke
1. Vorsitzender

 

Bildquelle: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de